2026 Update aus Ruanda | Social Cycling Project Rwanda (Instagram: @socialcyclingprojectrwanda)
Angefangen hat alles mit einer besonderen Idee und ein paar Rädern, die der ICWW damals über Anna nach Ruanda geschickt hat. Vor drei Jahren wagte das Projekt einen Neustart und nennt sich nun Social Cycling Projekt Rwanda, unterstützt durch den ICWW. Heute ist der Kunstradsport für eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen in Kigali längst zu einem festen Bestandteil geworden – wenn nicht sogar zu einem Teil ihres Lebens. Manche von ihnen trainieren inzwischen seit vier Jahren. „Und das sieht man“, staunt Stefanie, die diesmal zum ersten Mal dabei war.
Unser aller Ziel ist es, gemeinsam mit Jonathan, dem Trainer vor Ort, und den Kindern etwas aufzubauen, das bleibt: Strukturen für den Kunstradsport, echte Förderung für die Kinder und die Chance, sich sportlich und persönlich zu entwickeln. Aktuell ist das Projekt-Team bestehend aus Clemens und Stefanie vor Ort, im Back-Office unterstützt von Lea und Sonja. Und wir wollen schon einmal vorweg nehmen, in den letzten Tagen ist wieder sehr viel passiert. Wir freuen uns, es mit euch zu teilen.





Zehn Tage, die zählen
Clemens und Stefanie sind noch immer in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Im Gepäck hatten sie drei Kunsträder des ICWW, viele Reifen und drei weitere Koffer voller Sachspenden aus der Community – und vor allem viel Zeit für das, worauf es ankommt.
Im Mittelpunkt stehen das Training und die Vorbereitung auf kommende Wettkämpfe. Gemeinsam mit Jonathan haben die beiden vor Ort geschaut, wie sich die Kinder noch gezielter fördern lassen und wie die Trainingsstrukturen weiter wachsen können.
Dabei wurden auch die Programme der Sportlerinnen und Sportler angepasst. Clemens und Stefanie haben genau hingesehen: Was gelingt schon sicher? Was ist gerade realistisch? Was bedarf noch intensiverem Training? So bestehen alle Programme inzwischen vor allem aus halben Runden, um auch alles sicher auf wechselndem, teilweise unebenem Untergrund zu zeigen. Kleine Schritte, die passen – und die den Kindern zeigen: Du wirst besser. Jeden Tag ein Stück.
Ein eigener Wettkampf – zum ersten Mal richtiges Wettkampffieber
Sport lebt von Herausforderung, Motivation und von diesem einen Moment, in dem man endlich zeigen darf, was man kann.
Deshalb haben Clemens und Stefanie für den Samstag einen internen Wettkampf für die Kinder auf die Beine gestellt. Sie führen ihre Programme vor, spüren zum ersten Mal echte Wettkampfatmosphäre und feuern sich gegenseitig an. Und natürlich gibt es etwas zu gewinnen: für jeden ein neues Vereinsshirt, Kleinigkeiten und jede Menge Erfahrung.
Für viele der Kinder ist es die erste Gelegenheit, das Gelernte unter echten Bedingungen zu zeigen – und vielleicht auch das erste Mal, dieses Kribbeln zu erleben, das jeder Sportler kennt.
Eine Trainingsstätte, die Zukunft möglich macht
Ein besonders großer Meilenstein bahnt sich gerade an: die Suche nach einer geeigneten Trainingsstätte.
Bisher liegt der Trainingsort (öffentlicher Parkplatz oder Fußgängerzone) rund eine Stunde entfernt – ein langer Fußmarsch, jedes Mal. Aktuell laufen Gespräche über einen neuen Ort, der nur noch etwa 30 Minuten entfernt wäre. Die potentielle Sporthalle bietet genau das, was das Projekt braucht: eine geschützte Trainingsfläche, Toiletten, eine gute Infrastruktur – und vor allem einen abschließbaren Raum für die Kunsträder.
Was nach einer Kleinigkeit klingt, wäre für den Verein ein enormer Unterschied: regelmäßiges Training, kürzere Wege und Räder, die sicher vor Ort bleiben können. Wir drücken die Daumen, dass die Gespräche gut verlaufen.
Bereit für das neue Schuljahr
Für uns endet das Projekt nicht an der Trainingsfläche.
In nur zwei Wochen beginnt in Ruanda das neue Schuljahr. Deshalb nutzen Clemens und Stefanie ihren Aufenthalt auch dafür, die Kinder ganz praktisch auf den Schulstart mit neuem Schulmaterial vorzubereiten.
Es sind genau diese Dinge, die im Alltag den Unterschied machen. Denn wir wollen die Kinder nicht nur auf dem Rad stark machen, sondern ihnen auch abseits davon einen guten Start ins Leben ermöglichen.
Der Verein wächst weiter
Auch organisatorisch geht es voran. Die Registrierung des Vereins bei der Rwanda Cycling Federation wurde weiter vorangetrieben. Ein persönliches Treffen mit dem neuen Präsidenten steht zwar noch aus – er ist über das Projekt und unsere Unterstützung inzwischen informiert.
Besonders am Herzen liegt uns gerade der Service Passport für den Sportler Bertrand und den Trainer Jonathan. Damit möchten wir den beiden ermöglichen, im Oktober 2026 zur Hallenradsport-WM nach England zu reisen und dort gemeinsam mit Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt auf der Fläche zu stehen. Der Prozess ist wieder aufgenommen – jetzt hoffen wir, dass alle Schritte rechtzeitig abgeschlossen werden und die beiden ihr Visum erhalten. Man stelle sich vor: zwei Männer aus Ruanda bei einer WM – als erste afrikanische Nation.
Auch die Familien bleiben im Blick
Uns, dem Social Cycling Project Rwanda, liegt auch die Gesundheit der Kinder am Herzen, vor allem da unser Sport nicht ganz ungefährlich ist, vor allem unter diesen besonderen Trainingsbedingungen und den dortigen Lebensumständen. Deshalb können wir durch zahlreiche private Spenden sicherstellen, dass die Sportler und deren Familien weiterhin krankenversichert sind. Ein Stück Sicherheit – auch über den Sport hinaus.
Was in Ruanda entsteht
Wenn wir heute auf das Projekt schauen, macht uns das unglaublich stolz.
Der Kunstradsport hat in Kigali seinen festen Platz gefunden. Kinder trainieren seit Jahren. Ein Verein entwickelt sich. Trainer bauen Wissen und Erfahrung auf. Die Programme werden professioneller. Die Kinder sammeln erste Wettkampferfahrungen. Eine bessere Trainingsstätte ist zum Greifen nah. Und vielleicht stehen schon bald zwei Sportler aus Ruanda bei einer Weltmeisterschaft auf der Fläche.
Das sind große Meilensteine. Doch hinter jedem einzelnen stehen Menschen: die Kinder, ihre Familien, der Trainer vor Ort, Clemens und Stefanie, das ICWW – und all jene, die dieses Projekt mit Spenden und Sachmitteln tragen.
Das Social Cycling Project Rwanda befindet sich im dritten Jahr. Wir möchten diesen Weg weitergehen – mit den Kindern, mit den Trainern und mit einer Vision, die längst größer geworden ist als das Kunstradfahren allein. Wir wollen Strukturen schaffen, Perspektiven geben und zeigen, was möglich ist, wenn Menschen gemeinsam an etwas glauben.
Danke, dass ihr diesen Weg mit uns geht.
Indoor Cycling World Wide (ICWW)